Rosemarie Anna Wagner
Premium memorialLovingly known as “Rosi”
17 May 1941 — 8 July 2020 · aged 79
Wirtin aus Haidhausen: Herz des Stammtischs, Löwin und Mutter für halb München
About Rosemarie
Wer bei Rosi Wagner einkehrte, bekam nie nur ein Essen. Er bekam einen Platz am Tisch, eine Meinung zu seinem Liebeskummer und, wenn er Pech hatte, auch noch einen Rat zur Steuererklärung. Fünfunddreißig Jahre lang war die Wirtschaft „Zur Linde“ in Haidhausen ihr Wohnzimmer, und ganz München war eingeladen.
Rosemarie Anna Ostermeier wurde 1941 in Passau geboren, als zweites von fünf Kindern eines Schiffers und einer Näherin. Mit vierzehn begann sie eine Kochlehre im Gasthof „Zum Löwen“, mit zwanzig ging sie nach München und kochte im Hofbräuhaus für Touristen, Stammgäste und Betriebsausflüge. 1964 heiratete sie Georg Wagner, Lokführer bei der Deutschen Bundesbahn, der ihr eine Fahrkarte nach Garmisch und einen Heiratsantrag schenkte, in dieser Reihenfolge.
1970 pachteten die beiden die „Linde“, und Rosi stand von morgens um sechs bis nachts um eins am Herd: Schweinsbraten mit Knödel, Leberkäs, Obatzda nach dem Rezept ihrer Mutter und den besten Kaiserschmarrn östlich der Isar. An ihrem Stammtisch galt eine einzige Regel: „Wer streitet, zahlt die nächste Runde.“ Rosi selbst stritt am meisten und zahlte nie, und niemand hat je verstanden, wie sie das machte.
Georg war ein Löwe durch und durch, Fan des TSV 1860, und Rosi wurde es aus Liebe und blieb es aus Trotz. Nach jedem Heimspiel an der Grünwalder Straße füllte sich die „Linde“ mit blau-weißen Schals, Trost und Bier. 2005 übergab sie das Lokal ihrem Sohn Stefan, saß aber weiter jeden Nachmittag um drei an ihrem Platz an der Theke, „nur zum Kontrollieren“. Sie gründete die Haidhauser Nachbarschaftshilfe, die noch heute Einkäufe für ältere Menschen erledigt, und ihre Weihnachtsfeier für Alleinstehende war berühmt dafür, dass niemand freiwillig vor Mitternacht nach Hause ging.
Rosi starb am 8. Juli 2020 friedlich zu Hause in Haidhausen, nach kurzer Krankheit und im Beisein ihrer Kinder. Georg ist ihr 2011 vorausgegangen. Sie hinterlässt ihren Sohn Stefan, ihre Tochter Monika, vier Enkelkinder und einen Stammtisch, an dem ein Stuhl für immer frei bleibt.
“Wer streitet, zahlt die nächste Runde.”
- Faith
- Catholic
- Place of birth
- Passau, Niederbayern
- Resting place
- Ostfriedhof, München
- Passed away
- 8 July 2020, München
Requiem und Beerdigung
Friday, 17 July 2020 at 11:00 UTC
Add to calendarLife journey
Kochlehre
Gasthof „Zum Löwen“1955 – 1958 · Passau
Abschluss als Jahrgangsbeste und erste Schweinsbraten für die Familie.
Heirat mit Georg Wagner
1964 · München
Eine Ehe von siebenundvierzig Jahren mit einem Lokführer der Bundesbahn.
Wirtin
Wirtshaus „Zur Linde“1970 – 2005 · München-Haidhausen
Fünfunddreißig Jahre am Herd und am Stammtisch.
Gründerin der Haidhauser Nachbarschaftshilfe
Haidhauser Nachbarschaftshilfe1985 – 2020 · München
Einkaufshilfe für Ältere und eine Weihnachtsfeier für Alleinstehende.
Ehrenurkunde des Bezirksausschusses Au-Haidhausen
Landeshauptstadt München2005 · München
Für ihren Einsatz für das Viertel.
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Family & connections
Rosemarie is survived by
- Stefan Wagner· Son
- Monika Huber· Daughter
- 4 Enkelkinder· Grandchildren
- Gerda Ostermeier· Sister
Tributes & memories
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Neffe in Zürich
Tante Rosi schickte uns jedes Jahr zu Weihnachten ein Paket mit Lebkuchen und einer Karte, auf der immer derselbe Satz stand: „Wer kommt, ist willkommen.“ Dieser Satz hängt jetzt in meiner Küche, und meine Kinder wissen, von wem er stammt.
- MG
Ehemalige Servicekraft in der „Linde“
Mit sechzehn habe ich bei Rosi angefangen, ohne Ahnung und mit zwei linken Händen. Sie hat mir beigebracht, wie man fünf Teller trägt, vor allem aber, wie man jedem Gast das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Das habe ich später als Hoteldirektorin in Wien jeden Tag gebraucht.
- FB
Löwen-Fan und Stammtischbruder
Wir haben zusammen die guten und die sehr schlechten Jahre der Löwen durchgestanden. Rosi sagte nach jedem verlorenen Spiel: „Mir san Löwen, und Löwen verlieren mit Stil.“ Ich werde bei jedem Heimspiel an sie denken, besonders bei den verlorenen.
- PB
Pfarrer von St. Johann Baptist
Rosi war jeden Sonntag in der Frühmesse und sagte danach, der Weihrauch sei gut, der Schweinsbraten aber besser. Die Gemeinde verdankt ihr mehr, als im Kirchenbuch steht: die Essen für Bedürftige, die Besuche, die offene Tür. Eine Wirtin im besten Sinne des Wortes.
- DL
Nachbarin in Haidhausen
Als mein Mann starb, kam Rosi mit einem Topf Gulaschsuppe und blieb, bis ich einschlief. Am nächsten Morgen stand sie wieder da. Sie sagte nichts Kluges, sie war einfach da, und das war das Klügste, was jemand tun konnte.
- HO
Stammgast seit 1971
Fünfzig Jahre lang habe ich bei Rosi donnerstags meinen Schweinsbraten gegessen, und fünfzig Jahre lang hat sie behauptet, es sei der letzte. Als ich nach der Operation zum ersten Mal wiederkam, stand er schon auf dem Tisch. Sie hat nie gefragt, ob ich Hunger hatte.